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Anton Diabelli (1781 – 1858) war Komponist, aber auch Musikverleger. Als Verleger verfügte er über gute Geschäftsinstinkte. Seine erfolgreichste Idee, die ihn bis heute im Bewusstsein der Nachwelt erhalten hat, hatte er 1819. Er fragte eine Vielzahl von Komponisten aus Wien und Umgebung an, ob sie über einen kurzen Walzer, den er selber komponiert hatte, je eine Variation schreiben würden. Er würde dann auch alle diese Variationen in einem Sammelband veröffentlichen. Fünfzig folgten seinem Aufruf und schrieben für ihn. Er hatte natürlich auch Beethoven angefragt, aber Beethoven, seines Ranges wohl bewusst, war ein stolzer Mann und wollte sich nicht mit Krethi und Plethi gemein machen. Er liess Diabelli mehrere Jahre warten und schrieb in dieser Zeit sein umfangreichstes Klavierwerk, die „33 Veränderungen über einen Walzer von A. Diabelli“, ein Kompendium seines kompositorischen Handwerks und überwältigenden Vermächtnis seines Genies.
Diabelli erkannte natürlich, was er da für ein ausserordentliches Werk bekommen hatte und beschloss, es separat in seinem Verlag heraus zu bringen. Die Beiträge der fünfzig anderen Komponisten liess er in einem zweiten Band nachfolgen.

Unter diesen fünfzig gibt es viele, die heute längst vergessen sind, aber durchaus auch bekanntere Namen wie Hummel, Czerny, Schubert oder den erst neunjährigen Liszt. Es waren freilich, nach dem Denken der Epoche, lauter Männer.

Das regte in unserer Zeit Claudia Bigos, eine Pianistin aus Deutschland an, ihrerseits fünfzig Komponistinnen aus aller Welt anzufragen, ob Sie nicht auch eine heutige Variation zu Diabellis Walzer schreiben würden. Auch ihre Idee hatte Erfolg: Die Stücke wurden in einem Sammelband gedruckt und in einem langen Konzert uraufgeführt. So haben wir heute also hundert solche Variationen (die von Beethoven nicht mitgerechnet), und damit nicht genug: Es gibt noch einige weitere Stücke, teils von damals, teils aus unserer Zeit. Insgesamt konnte ich 138 Werke finden.

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