Prazák Quartett

Prazak Quartett

Jana Vonášková, Violine
Vlastimil Holek, Violine
Josef Klusoń, Viola
Michal Kańka, Violoncello
Werner Bärtschi, Klavier

Programm

Joseph Haydn (1732 – 1809) – Streichquartett op. 77/2

Antonín Dvorák (1841 – 1904) – Streichquartett F-dur op. 96 „Amerikanisches“

Dmitri Schostakowitsch (1906 – 1975) – Klavierquintett op. 57

„Nach steiler Karriere wurde nun ein Grad an Tiefe und Souveränität erreicht, der erstaunt.“
Süddeutsche Zeitung

Das Prazák Quartett, heute eines der führenden internationalen Kammermusikensembles, wurde 1972 von Studenten des Prager Konservatoriums gegründet. Seitdem hat es mit seiner einzigartigen tschechischen Quartett-Tradition und musikalischen Qualität die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam gemacht. Das Quartett erhielt 1974 den 1. Preis beim Kammermusikwettbewerb des Prager Konservatoriums und schon ein Jahr später begann bei der Mitwirkung beim Prager Frühlingsfestival 1975 seine internationale Karriere.

Das mittlerweile seit über 30 Jahren bestehende Ensemble ist auf den Musikbühnen der ganzen Welt zu Hause. Zahlreiche Einspielungen sind in diesen Jahren erschienen, 35 preisgekrönte CD’s unter dem Label Praga Digitals/AMC.

2010 musste Václav Remeš aufgrund einer fokalen Dystonie an der Hand seine Karriere beenden. Nachdem auch sein Nachfolger wegen gesundheitlicher Probleme ersetzt werden musste, suchte das Quartett einen neuen Primarius der jungen Generation. Seit 2015 ist die junge Geigerin Jana Vonášková an der ersten Geige. Sie hat am Royal College of Music in London studiert und war 9 Jahre lang Mitglied des Smetana Trios.

Dimitri Schostakowitsch

Kaum ist von ihm die Rede, taucht unvermeidlich das Stichwort des Stalinismus auf, der in der Sowjetunion die Künste und sogar die von gesellschaftlichen und politischen Fragen scheinbar recht weit entfernte Musik durch Druck und Drohung zu gängeln versuchte. Das hat viele getroffen. Für Schostakowitsch wurde es zum Lebensthema.

Täuschen wir uns? Noch zu Lebzeiten wurde seine Musik im Westen ganz nach dem Denkschema des kalten Kriegs als die Musik eines Regimeopfers rezipiert. Die depressive Grundstimmung seiner Musik und deren heftige Eruptionen wurden entsprechend gedeutet. Diese Sichtweise hat bis heute überlebt. Verstellt und hindert sie einen frischen Blick auf sein Schaffen? Hatte und hat man ihm das nur übergestülpt? Die biographischen Tatsachen sind zwar deutlich, aber auch zweideutig: Zeitweilig wurde seine Musik heftig kritisiert, war sogar verboten, andererseits hatte er persönliche Kontakte zu Stalin und wurde von der Regierung mit zahlreichen Auszeichnungen und Orden geehrt. Er hat den Zwiespalt in seinen Memoiren (es passt ins Bild, dass ihre Echtheit umstritten ist) selbst thematisiert. Eine wirkliche Antwort kann uns nur die Musik geben. Hören wir unvoreingenommen!
Werner Bärtschi

Aus Schostakowitschs Memoiren
Für mich ist der Kampf um die Macht ein ewiges Thema der Kunst. Diesem Thema kann man nicht ausweichen. Schon gar nicht in unserer Zeit.

Es kam überhaupt nicht darauf an, wie das Publikum ein Werk aufnahm. Auch nicht darauf, ob es der Kritik gefiel. Das alles hatte keinerlei Gewicht. Lebenswichtig war etwas anderes. Wie gefällt dein Opus dem Führer? Ich betone: lebenswichtig. Denn es ging buchstäblich um Leben oder Tod, nicht etwa im übertragenen Sinne.

Es genügt nicht, die Sowjetmacht zu lieben. Sie muss auch dich lieben.

Nie habe ich versucht, mit meiner Musik den Mächtigen zu schmeicheln. Ich weiss wohl, dass man mich dessen beschuldigt. Behauptet, ich hätte der Macht zu nahe gestanden.

Mich regt besonders auf, dass Tyrannen immer Anhänger und Verehrer finden.